Runtasia Infokanal: Wieso ich nach Puls trainiere

Sonntag, 9. März 2014

Wieso ich nach Puls trainiere

Foto: polar.at
Ein immer wieder diskutiertes Thema ist die Trainingssteuerung. Das eine Lager schwört auf Puls, GPS und sekundengenaue Analyse, die anderen verzichten vollkommen auf jegliche digitale Unterstützung. Ich persönlich bin der Meinung, dass die praktikabelste Steuerung die Herzfrequenz ist. Wieso?

Ich sehe die Herzfrequenz als einen biologischen Tourenzähler. Wir haben eine Ruheherzfrequenz, die nötig ist, um alle Körperfunktionen aufrechtzuerhalten. Sobald wir uns bewegen, steigt der Puls, weil mehr Sauerstoff benötigt wird. Wenn wir entspannt laufen, dann sind wir im „grünen Bereich“, und je höher der Puls wird, desto schwerer muss das Herz arbeiten – der Tourenzähler kommt in den „roten Bereich“. Der rote Bereich ist aber nichts Schlimmes! Der Körper ist auch für diese Frequenz gebaut, man sollte ihn vielleicht nicht immer bis zur Obergrenze rauf treiben.

Die Herzfrequenz widerspiegelt also den Anstrengungsgrad des Körpers. Deshalb ist der Puls auch sehr gut geeignet, die Trainingsintensität zu steuern. Wenn da nicht Störgrößen vorhanden wären, die den Puls bei gleicher Belastung nach oben oder nach unten verfälschen:
  • HF-Anstieg:
    Hitze, hohe Luftfeuchtigkeit, Flüssigkeitsdefizit, emotionale Belastung, psychische Belastung, Höhenlage, unfunktionelle Sportbekleidung
  • HF-Abfall:
    Kohlenhydratmangel, Überforderung 

Diese Störgrößen sollten im Training berücksichtigt werden. Nimmt man jedenfalls an. Wenn es draußen wärmer ist, dann steigt nun mal auch der Puls schneller an. Um diesen Effekt auszugleichen, ist es naheliegend, dass man auch in einem höheren Pulsbereich trainieren sollte. Stimmt aber nicht ganz!

Denn auch die Leistung ist bei höheren Temperaturen geringer! Niemand wird auf die Idee kommen bei einem Hitzerennen auf Bestzeit zu laufen, sondern wird ein dem Wetter angepasstes Tempo wählen, damit er mit diesen Voraussetzungen ein optimales Ergebnis erzielt. Das sollte ein guter Wettkampfsportler einschätzen können. Die Praxis zeigt aber, dass gerade bei wärmeren Temperaturen die Ein- und Abbrüche bei Wettkämpfen enorm sind.

Deshalb bin ich der Meinung, dass unabhängig von den Einflüssen, der Puls ein gutes Instrument ist, das Training zu steuern. Denn ich als Trainer brauche nämlich Anhaltspunkte, um das absolvierte Training zu beurteilen. Das gibt mir die nötigen Informationen für das weitere Training.

Doch nicht immer ist der Puls entscheidend. Es gibt Trainingseinheiten, in denen ist der Puls selbst nicht relevant. In diesen Fällen möchte man nämlich etwas Spezielles bewirken:

Pulsmessung im Training 

Im allgemeinen Training kann durch die HF-Aufzeichnung ganz leicht die Gesamtbelastung beurteilt werden. Der Trainingsplan gibt über die Trainingsbereiche die Intensität vor, die Aufzeichnung zeigt, wie lange in den jeweiligen Trainingsbereichen tatsächlich trainiert wurde.

Doch bei manchen Trainingseinheiten ist der Puls nicht relevant! Zum Beispiel beim Intervalltraining, bei dem ein bestimmtes Tempo gelaufen werden soll. Wenn das Tempo erreicht wird, hat das Training funktioniert. Unabhängig, wie hoch der Puls war. Auch bei Testläufen im geplanten Wettkampftempo ist die Steuerung über die Herzfrequenz auch nicht sinnvoll, da auch hier ein definiertes Tempo gelaufen werden soll.

Pulsmessung im Wettkampf 

Auch wenn es im Wettkampf eigentlich egal ist, wie hoch die Herzfrequenz rauf geht, eine Aufzeichnung finde ich dennoch sinnvoll. Manche lassen sich vielleicht zu sehr vom Puls beeinflussen, es kann für einige jedoch eine „Sicherheitsbremse“ sein. Wenn jemand seinen Puls kennt.

Wer hat das noch nicht selbst erlebt: Beim Start laufen alle wie verrückt davon und sprinten los, als ob das Rennen nach wenigen Minuten vorüber sei. Spätestens nach 2km wird man wieder in die Realität zurückgeworfen und man muss sich eingestehen, dass man wieder einmal zu schnell losgelaufen ist. Dieser anfängliche Leichtsinn kann sich im Laufe des Rennens rächen! Und je länger die Wettkampfdistanz ist, desto größer ist die Rache!

Sobald also ein Training aus strategischen Gründen nach Geschwindigkeit gesteuert wird, ist der Puls nicht mehr relevant. Ich möchte aber dennoch, dass die Herzfrequenz aufgezeichnet wird. Denn im Nachhinein liefern mir diese Daten wertvolle Informationen über das gemachte Training. Deshalb ist auch die Wettkampfanalyse besonders wichtig, um daraus für den nächsten Wettkampf zu lernen. Beim Intervalltraining erfahre ich zum Beispiel, wie schnell sich der Sportler nach einer hohen Belastung erholt. Und beim Testlauf sehe ich, wie sich die Herzfrequenz während des Trainings verhält…


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