Sonntag, 18. Januar 2015

Wer einen Lauftrainer braucht und wer nicht

Mein Job: Lauftrainer! Einfach auf den Punkt gebracht: Ich arbeite mit Läufern, berate sie und gebe ihnen Trainingsempfehlungen. Doch die Tätigkeit als Lauftrainer beschränkt sich, wie manche vielleicht glauben mögen, nicht nur auf den Trainingsplan alleine! Im Gegenteil, der Trainingsplan spielt eine nur sehr geringe Rolle in der Trainingsbetreuung.

Wenn ein Läufer einigermaßen systematisch trainiert, dann braucht er einen Trainingsplan, nach dem er sich richten kann. Die einen kennen sich einigermaßen gut aus und trainieren nach Gefühl, die anderen finden ihren Trainingsplan im Internet oder aus Trainingsratgebern. Und manche richten sich an Professionisten, die ihnen den Trainingsplan individuell zugeschnitten erstellen. Wer von denen erfolgreicher ist, möchte ich nicht beurteilen. Im Spitzensport zeigt sich jedenfalls, dass es ohne eine professionelle Betreuung nicht geht.

Nun sind die wenigsten Läufer – und wahrscheinlich auch nur wenige unter den Lesern hier im Infokanal – wirklich Spitzensportler und fragen sich, wann sich eine individuelle Trainingsbetreuung auszahlt.

Wer mit einem persönlichen Trainer mehr aus seinem Training holt? Ich als Lauftrainer möchte natürlich, dass meine Kunden das Beste für sich und ihr Training rausholen. Aus meiner Erfahrung ist ein Läufer mit einer professionellen Trainingsbetreuung gut beraten, wenn er
  1. öfter als 3x pro Woche trainiert

    Solange „nur“ drei Mal pro Woche trainiert wird und diese Trainingseinheiten gut auf die Woche verteilt sind, ist es nicht unbedingt nötig, einen Lauftrainer zu engagieren. Etwas Trainingserfahrung wäre da schon ausreichend, um die richtigen Inhalte zu trainieren. Der Zeitabstand von einer Einheit zur anderen ist im Idealfall mehr als 48 Stunden und das Risiko, dass sich jemand überfordert ist relativ gering. Auch für Anfänger.
  2. sich nicht mit der Trainingslehre beschäftigen möchte

    Die Trainingslehre ist natürlich kein Geheimnis und jeder kann sich die Prinzipien aneignen. Dazu gibt es ausreichend Lektüre, die beim Training eine hilfreiche Unterstützung sein kann. Wem es zu kompliziert ist (je mehr man sich einliest, desto mehr Fragen werden auftreten!) oder wer es sich nicht antun möchte, der soll sich professionelle Hilfe suchen.
  3. es sich leisten möchte

    Professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen kostet wie jede Dienstleistung natürlich Geld. Wenn man es sich leisten möchte, dann bekommt man als Gegenleistung die Sicherheit, dass man ein ordentliches Training absolviert. Im Idealfall wird sogar das Beste aus der eingesetzten Trainingszeit rausgeholt. Denn wer zum Beispiel berufstätig ist, eine Familie zu versorgen und zu betreuen hat, der möchte wahrscheinlich auch keine „leeren Kilometer“ trainieren.
  4. in der Trainingsbetreuung eine Motivationshilfe sucht

    Das bezahlte Geld kann auch motivieren – „Jetzt hab ich schon dafür bezahlt, dann muss ich auch was dafür tun“. Ein individueller Trainingsplan kann darüber hinaus Wunder bewirken. Doch nicht nur der Plan selbst, sondern auch das Wissen, dass jemand das Gemachte überprüft. Für viele ist das ausreichend Motivation, um das Training langfristig durchzuziehen. Fehlt dieses System auf einmal, weiß man erst, wie schwer es ist, ein vernünftiges Training umzusetzen 

Nicht jeder Läufer wird mit einem Lauftrainer glücklich werden und nicht jeder wird einen Sinn in der professionellen Betreuung sehen. Aus meiner Erfahrung sollte sich ein Läufer eine Trainingsbetreuung überdenken, wenn er
  1. nur 3x pro Woche trainiert

    Wie oben schon erwähnt, zahlt es sich erst ab einem bestimmten Trainingsvolumen aus, professionelle Unterstützung zu suchen. Abgesehen von der geringen Gefahr, sich zu überlasten, hat der Trainer auch nicht wirklich viele Möglichkeiten, ein abwechslungsreiches Training zu gestalten, sondern kann nur den “Pflichtteil“ vorgeben.
  2. ausschließlich läuferische Verpflichtungen hat

    Es gibt Läufer, die haben am Wochenende eine Laufgruppe, mit der er unbedingt laufen möchte. Unter der Woche geht er gerne mit seinem Arbeitskollegen nach dem Dienst laufen und dann möchte er auch noch einmal in der Woche gemütlich mit seiner Frau laufen. Es ist naheliegend, dass mit diesen Voraussetzungen kein systematisches Training möglich ist.
  3. sein Training nicht ändern möchte

    Oft, wenn nicht sogar meistens, wird ein Lauftrainer gesucht, weil man besser werden, seine persönliche Bestzeit unterbieten möchte. Mit dem bisherigen Training kommt man nicht mehr weiter und hofft auf das Wissen des Trainers. Wenn man nicht bereit ist, etwas am Bisherigen zu ändern, dann braucht man auch keinen Trainer.
  4. dem Trainer nicht vertrauen kann

    Der Sportler muss dem Trainer vertrauen – auf seine Erfahrung und sein Gespür fürs Training. Beim gemeinsamen Training muss die „Chemie stimmen“, denn eine Betreuung wird auf eine gut funktionierende Kommunikation aufgebaut. Solange der Trainer seine Maßnahmen schlüssig begründen kann, werden die Trainingsempfehlungen mit Sicherheit richtig umgesetzt, auch wenn sie noch so unkonventionell erscheinen mögen. Wenn die Chemie nicht passt, dann soll der Sportler (oder auch der Trainer!) von einer Betreuung absehen bzw. sich einen anderen Trainer suchen. 

Der letzte Punkt ist nicht nur eine sehr persönliche Ansicht des Läufers, sondern hängt auch vom Auftreten des Lauftrainers ab. Denn wenn ein Trainer keine schlüssigen Antworten auf die Fragen seiner Sportler hat, wird er unglaubwürdig wirken und der Sportler wird früher oder später seine Arbeit nicht mehr schätzen.

Deshalb möchte ich im nächsten Bericht die Do’s und Donts eines professionellen Lauftrainers aufzählen. Denn wie ich schon im letzten Bericht erwähnte: ein Lauftrainer muss mehr können als nur Trainingspläne schreiben.

1 Kommentar:

  1. Ja danke Walter, ich schätze dein Training und die Pläne sehr, helfen zur Verbesserung meiner Leistung und vor allem zur Motivation. Du läufst sozusagen immer mit, sodass ich weder auf die Idee komme, eine Einheit auszulassen oder abzukürzen. lg michaela

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