Sonntag, 22. Oktober 2017

Wie man Betrüger aufdeckt

Wenn ich schon eine Anleitung zum Betrügen veröffentliche, dann möchte ich gleich im nächsten Zug auch eine Anleitung geben, wie man solche Betrüger entlarvt! Machen wir uns auf die Jagd nach den Betrügern bei Laufveranstaltungen. Geben wir den Abzweigern und Schummlern keine Chance. Werden wir selbst zu Detektiven und suchen wir gemeinsam nach Auffälligkeiten, die den Betrug aufdecken können. Es gibt nämlich einige davon!

Ich möchte gar nicht darauf eingehen, welche Gründe es gibt, wieso jemand bei einem Wettkampf betrügt. Sei es aus mangelndem Selbstvertrauen, zu hoch gesteckten Zielen und damit verbundenen sozialen Erwartungsdruck, oder einfach nur aus Dummheit. Generell sieht (zum Glück) der Großteil der Läufer dieses Verhalten negativ.

Schwierig ist jedoch abzustecken, wo die Grenze des Betrügens gezogen wird und was noch tolerierbar ist. Ist das Abkürzen bei einer Kurve, wordurch man lediglich zwei Meter gewonnen hat, vielleicht aber mehr Aufwand auf sich nehmen muss (Gehsteigkante, unebener Boden,…), auch ein Betrügen? Wenn man etwas weiter geht, dann wäre auch das Getränkereichen auf der Strecke abseits der Labestationen bereits ein Betrügen (internationale Wettkampfregeln §8 Punkt g und h). Streng genommen brechen sehr viele Läufer die Wettkampfregeln, aber es wird von den Veranstaltern und Mitläufern geduldet, oder in der Masse der Läufer erst gar nicht erkannt.

Beschäftigen wir uns doch mit den „echten Betrügern“, die sich Bestzeiten durch gravierendere Schummeleien erschwindeln, wie wir es im letzten Bericht erfahren haben. Es gibt ein paar Möglichkeiten, wie man feststellen kann, ob jemand tatsächlich die volle Strecke selbst gelaufen ist oder anderweitig betrogen hat. Manche Läufer kommen dabei in Erklärungsnot und verstricken sich in Widersprüche, sobald man sie darauf anspricht.

Digitale Zeitnehmung

Mit der Chip-Zeitnehmung wurde das Abkürzen zumindest sehr erschwert. Denn es gibt auf der Strecke immer wieder Kontrollpunkte, die man durchlaufen muss. Fehlt eine Zwischenzeit, besteht bereits ein Verdacht. Ob der jeweilige Läufer dazwischen tatsächlich die gesamte Strecke gelaufen ist, das kann damit aber nicht überprüft werden. Man kann aber realistische Durchgangszeiten beurteilen. Sollte dieser eine 5km-Zeit in Weltrekord, oder zumindest deutlich schneller gelaufen sein, ist die Wahrscheinlichkeit, dass man abgekürzt hat sehr hoch.

Doch diese Zeitnehmung funktioniert nicht zu 100% verlässlich. Leider passiert es immer wieder, dass die Zeitnehmung viele Läufer nicht registriert. Im Ziel ist es schlimm genug, da man kein Endergebnis hat und man sich mit dem Veranstalter abmühen muss, um dennoch in die Ergebnisliste zu kommen. Fehlen jedoch einzelne Zwischenzeiten, so werden die betroffenen Läufer nicht unmittelbar disqualifiziert (was eigentlich zu machen wäre). Denn dadurch wären wohl sehr, sehr viele Läufer betroffen und diese Vielzahl an Reklamationen wird sich kein Veranstalter antun. Bei manchen Veranstaltungen ist es Usus, die Zeiten etwas genauer anzusehen, wenn zwei Zwischenzeiten fehlen sollten.

Fotoservice

Mit den bei den meisten größeren Laufveranstaltungen angebotenen Fotoservices kann man relativ leicht feststellen, ob jemand tatsächlich die gesamte Strecke selbst gelaufen bzw. überhaupt selbst an den Start gegangen ist. Sucht man nach der Startnummer, so müsste sie immer von derselben Person getragen werden. Sofern natürlich auch im ersten Drittel Fotos gemacht wurden. Eine Übergabe der Startnummer bzw. des Laufchips wird damit leicht aufgedeckt.

GPS- und Trainingsaufzeichnungen

Die meisten Läufer verwenden bereits irgendwelche Aufzeichnungen ihrer Trainingseinheiten, so auch bei Wettkämpfen. Damit kann man zwar keine Abkürzungen bei einzelnen Kurven sehen (was anscheinend ja eh allgemein toleriert wird), aber größere Vergehen nachweisen. Wird eine Schleife nicht ganz ausgelaufen, so wird sie auch in den Aufzeichnungen fehlen. Auch zu kurz vermessene Wettkämpfe sieht man dadurch sehr leicht. Doch bitte mit Vorsicht betrachten! Erst wenn mehrere Aufzeichnungen eine kürzere Distanz zeigen, kann man davon ausgehen, dass die Strecke tatsächlich zu kurz war. Denn auch das GPS ist nicht immer zu 100% sicher!

Es gibt sogar Betrüger, die versuchen diese aufgezeichneten Daten auch noch zu manipulieren, damit es glaubwürdiger wird. Eigentlich ein irrer Aufwand dafür, oder? Kürzlich wurde ein derartiger Fall in Amerika aufgedeckt. Die Zweitplatzierte eines Halbmarathons wurde von einem „Detektiv“ als Betrügerin aufgedeckt, als sie im Nachhinein ihre leicht korrigierten Daten auf Strava hochgeladen hatte. Dabei ist sie die Strecke im Nachhinein mit dem Fahrrad abgefahren und beachtete nicht die Schrittfrequenz, die höchst verdächtig war und zu ihrem Verhängnis wurde. Ganz nebenbei sah man am Zielfoto auch ihre Pulsuhr, die gerade einmal 18,5km anzeigte!

Und damit wären wir auch wieder bei einem der eingangs erwähnten Gründe, wieso manche betrügen. Vielleicht sind sie einfach nur dumm?

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Tipp der Woche
Wenn's einmal ein Marathon werden sollte, dann musst du diesen Leitfaden gelesen haben. Dann kommst du sicher und verletzungsfrei ins Ziel und verlierst auf dem Weg dorthin nie den Spaß am Laufen

2 Kommentare:

  1. Ich glaube, ein Gros wäre schon abgedeckt, wenn die Veranstalter der größeren Marathons automatisch das Auslassen einer Kontrollmatte zum DSQ machen, sich da nicht auf Diskussionen einlassen und einfach mal Eier für den Sport zeigen anstatt ständig die Vermarktungswirkung und/oder den Kontostand im Hinterkopf zu haben. Es steht in jeder Wettkampfausschreibung, dass ein fehlender Kontrollpunkt zum DSQ führt - was aber scheinbar nicht oder nur selten umgesetzt wird. Aber ich sehe bei jedem Marathon auch, wie viele LäuferInnen an den Matten einfach links und rechts vorbei laufen, statt drüber.

    Beim Zwischenzeiten-Vergleich bin ich da eher skeptisch, wie tauglich das ist. Ich selbst bin schon Marathons gelaufen, wo ich die erste Hälfte in 1:30 und die zweite in 2:03 "gelaufen" bin - und das ganze ohne abzukürzen. Und ich hätte es doof gefunden, mich vor dem Wettkampfrichter / Race Director dafür erklären zu müssen.

    Ich denke, dass bei den Profis da eher mal genau hingeschaut wird und evtl. noch genauer hingeschaut werden sollte, wie das in dem Fall der Liechtensteinerin (?) nicht gemacht wurde. Beim Hobbysportler interessiert's eh keine Sau. Und wer mit seinen Zeiten angeben muss und allen aufdrängt, wie geil schnell er/sie doch ist und welche neue Bestzeit jetzt irgendwo wieder geknackt wurde - naja, ist eh nicht der Typ, mit dem ich mich messe. Da sind mir dann die Zeiten auch Schnurz egal.

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    1. Hallo Robert!

      Wie ich schon erwähnt habe, würde ein restriktives Umsetzen einer Disqualifikation seeehr viel Aufwand bereiten, denn die Zeitmessung selbst birgt Fehlerquellen - und wenn mal eine Zwischenzeit fehlt, wird es nur noch Beschwerden geben! Laut Recherchen schauen sich manche Veranstalter die Teilnehmer mit fehlender bzw. fehlenden Zwischenzeiten genauer an. Wenn Auffäligkeiten bestehen, dann werden sie tatsächlich disqualifiziert. Aber eine 100% sicheren Weg werden wir da wohl auch nicht finden. Am besten nicht betrügen und daran arbeiten, dass die Zeitnehmung besser funktioniert.

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