Runtasia Infokanal: Betrügen oder Bestzeiten verschönern?

Sonntag, 15. Oktober 2017

Betrügen oder Bestzeiten verschönern?

Wenn man mit dem Laufen beginnt, wird eine Bestzeit nach der anderen gebrochen. Motivation und Euphorie pur! Doch bald wird es nicht mehr so einfach, besser zu werden. Ab diesem Punkt werden Läufer nur noch von unangenehmen Erscheinungen begleitet: hartes Training, Verzicht, Schmerzen und vor allem viel Laktat! Kann das denn nicht einfacher gehen? Wieso denn so viele Anstrengungen?

Fragt man in die Läuferrunde, wie man wohl ohne Training besser werden könnte, dann ist mit Sicherheit die erste Antwort: „Geht nicht! Und wenn, dann nur mit Doping!“ Das ist doch viel zu aufwendig! Wir Hobbyläufer können es uns einerseits nicht leisten und/oder andererseits kennen wir uns damit auch gar nicht aus! Außerdem ist Österreich bekanntlich auch „too small to make good doping“! Wir müssen uns also andere Hilfsmittel suchen, mit denen wir uns weit über unsere Möglichkeiten schlagen können – und da werden manche Läufer sehr einfallsreich. Eine Anleitung zur "Leistungssteigerung ohne Training":

Strecken zu kurz vermessen

Such dir einen Wettkampf, der kürzer vermessen ist als angegeben. Das wird dir nicht schwerfallen, denn der Großteil der Volksläufe ist etwas kürzer vermessen. Damit kann der Veranstalter „eine schnelle Strecke“ präsentieren. Wenn ein Marathon zum Beispiel zwei Kilometer kürzer ist, dann kann sich doch leichter eine Bestzeit ausgehen, oder? Aber schon wenige Hundert Meter reichen oft aus, die Bestzeit zu knacken. Was du auf keinen Fall machen darfst, ist an einem AIMS-vermessenen Lauf teilzunehmen.

Abkürzen

Sehr beliebt bei Läufern, sind kleine Abkürzungen auf der Strecke zu nehmen. Eine Schleife nicht auslaufen oder bei Kreuzungen den direkten Weg nehmen. In Summe kommen da auch einige Meter zusammen, die sich zum Schluss auszahlen können. Auffällig wird es jedoch, wenn bei einem Wettkampf gleich 5000 Läufer abkürzen. Auch für Läufer beim Wienmarathon ist das vielleicht bekannt: wenn jemand auf der rechten Seite der Reichsbrücke startet und auf der Lassallestraße auf die linke wechselt, erspart er sich gleich 250 Meter.

U-Bahn nehmen, Auto abholen lassen

Der einfachste Weg, einen Wettkampf deutlich schneller zu laufen, ist von der Strecke einfach aus- und in die U-Bahn einzusteigen. Vielleicht steht auch irgendwo ein Komplize und fährt dich ein Stück, oder du steigst auf ein Fahrrad und bis so schneller im Ziel. Pass nur auf, dass du dich nicht verdächtig machst und die zweite Halbzeit in Weltrekord läufst, wie uns ein mexikanischer Präsidentschaftskandidat vorgemacht hat.

Chip wechseln

Wenn man glaubt, dass mit der Chipmessung keine „Leistungssteigerungen“ mehr möglich sind, der irrt gewaltig. Teile dir die Strecke mit einem zweiten Läufer (oder gleich drei oder vier Läufern), indem du den Chip einfach jemanden anderen weitergibst. Dazu brauchst du nicht einmal die Schuhe neu schnüren, denn mit einem praktischen Chip-Band ist das in Sekundenschnelle geschehen!

Chip anderen geben

Noch faulere Läufer können den Chip gleich von Beginn an jemanden anderen geben. Suche dir dazu aber jemanden aus, der offensichtlich auch schneller laufen kann als du selbst! Damit können nicht nur Bestzeiten geknackt, sondern auch Altersklassen gewonnen, oder Qualifikationen erreicht werden!


Was ist los mit euch?!

Wieso macht ihr das? Es gibt immer wieder Läufer, die meinen, sie seien besonders clever, wenn sie bei Wettkämpfen betrügen. Das ist nicht nur unfair gegenüber anderen, sondern auch sehr unreif und peinlich.

Wenn jemand nicht schneller laufen kann, als seine Fitness es zulässt, dann soll er entweder besser trainieren oder einen anderen Sport suchen. Akzeptiere dein Leistungsniveau und arbeite dran. Abkürzer sind Aufschneider, die in der Läuferszene nichts verloren haben. Denn sie betrügen nicht nur sich selbst, sondern es ist einfach unfair den anderen Läufern gegenüber, die fleißig trainieren.

Die Frage ist nur, wie man solche (zum Glück nur) Einzelfälle daran hindern kann, bzw. welche Möglichkeiten gibt es zum Aufdecken von Abzweigern. Die heutigen technischen Möglichkeiten können viel nachweisen. Die strategische Positionierung von Kontrollpunkten ist nur eine davon. Was bleibt, ist die Anonymität bei großen Veranstaltungen, die ein unbemerktes Aus- und Wiedereinsteigen ins Rennen ermöglicht.

Fallen dir Maßnahmen ein, mit denen man Betrüger aufdecken kann? Hast du selbst schon Läufer dabei erwischt? Was sagen die Veranstalter dazu?


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Tipp der Woche
Nur für "echte Läufer": wenn's läuft, dann läuft's! Bringe es zum Ausdruck - eine geniale Idee für Läufer und Läuferinnen!

Kommentare :

  1. Wir müssen damit leben. Es wird immer schwarze Schafe geben und selbst, wenn es keine schwarzen Schafe gibt, dann denken wir, alle die schneller waren, müssen irgendwie betrogen haben. Tatsächlicher Betrug, mangelnder Sachverstand und Neid liegen sehr nah beieinander.
    Schauen wir uns mal einen Hacker zum Vergleich an, der ungebeten in fremde Computersysteme eindringt. Wird man ihn davon überzeugen können, dass es falsch ist, was er macht? Nein, denn er hat Spaß oder ein finanzielles Interesse daran, anderen zu schaden. So ist es bei wenigen mitleidserregenden Sportlerhirnen auch.


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    1. nun, ich denke jedenfalls nicht, dass jemand betrügt, wenn er schneller war als ich. Ich gehe nämlich immer davon aus, dass der Mensch gut ist und nicht betrügt. In meiner Realität kommt kein Betrügen vor...vielleicht bin ich aber einfach nur sehr naiv ;-)

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  2. Also das tangiert mich ehrlich gesagt überhaupt nicht. Wenn jemand meint, dass er bescheißen muss - bitte - letztendlich betrügt er sich ja nur selbst. Da kämpfe ich lieber ehrlich ewig darum mal unter die 3 Stunden zu kommen, als dabei zu betrügen und mein Leben lang zu wissen, dass ich die Leistung eigentlich gar nicht vollbracht hab. Ich find es nur armseelig und bemitleide diese Schlümpfe

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    1. Natürlich laufen wir für uns selbst! Aber angenommen du wirst bei einem Rennen 4. und kommst drauf, dass der dritte abgekürzt hat - wie nimmst du das dan auf? Natürlich ist meine erreichte Zeit wichtiger als jede Platzierung. Aber wenn ich schon einmal die Möglichkeit habe, am Stockerlplatz zu landen, dann möchte ich nicht, dass mir das ein Schlumpf wegnimmt.

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  3. Ich denke auch: Es lohnt sich nur dann, sich darüber aufzuregen, wenn man auf sehr hohem Niveau bzw. (semi-)professionell läuft. Z.B. das treppchen anvisiert.

    Beim letzten Halbmarathon hat für mich gezählt, dass ich in den oberen 25% gelandet bin. Und 5-10 Bescheißer vor mir hätten daran nichts geändert. Das Ergebnis ist zwar wichtig, aber nicht das Wichtigste.

    Was auch zählt ist, eine neue Stadt und ein neues Land kennenzulernen, gut essen, trinken etc.

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  4. Gerade bei den Volksläufen werte ich kaum noch Zeiten als PB. Erst recht nicht, wenn in meinem Umfeld 10 von 10 LäuferInnen des selben Wettkampfes nur 20,7 statt 21,1 Kilometer mit ihrer Uhr messen. Als ich noch unerfahrener war, habe ich das immer als "Messfehler" der Uhr abgestempelt.
    Ich brauche mir nicht auf diesem Wege neue Bestzeiten erschleichen und ich finde auch, dass jeder der genau das tut am Ende vor allem sich selbst betrügt. Ich käme mir schäbig vor, eine Bestzeit zu nennen, die nicht "sauber" und zweifelsfrei zustande kam.

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    1. In Wien ist zum Beispiel die "schnellste 5km-Strecke" beim Vienna Night Run - die GPS-Uhren zeigen dabei 4,85 bis 4,9km. Das bedeutet gleich einmal 2% Leistungssteigerung durch die Anmeldung bei diesem Lauf! Aber das kümmert die wenigsten, weil es doch so ein toller Lauf ist und ich bin mir sicher, dass sich niemand um seine gelaufene Zeit schämt.

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