Sonntag, 20. Oktober 2019

Windschattenläufer – laufen „mit Wind“

Jeder kennt die unangenehme Situation, wenn man regelrecht gegen eine Wand läuft. Die Leistung ist natürlich stark beeinträchtig bzw. man muss sich deutlich mehr anstrengen, wenn man die gleiche Leistung bringen möchte. Umgekehrt fühlt es sich jedoch wie fliegen an, wenn der Wind von hinten kommt. Und wie sieht's mit dem Windschattenlaufen aus?

Der Wind hat in manchen Sportarten einen sehr großen Einfluss auf die Leistung. So wird zum Beispiel ein Rekord bei einem 100m Lauf nicht anerkannt, wenn mehr als 7,2km/h bzw. 2m/sek Rückenwind herrscht. Und Radfahrer haben ihre Sitzposition dermaßen optimiert, damit der Luftwiderstand aufs Minimalste reduziert wird. Der Wind bremst bekanntlich.

Wir Läufer sind diesem Wind natürlich auch ausgesetzt, wir können aber weniger als die Radfahrer an unserer Windschlüpfrigkeit tun, da wir immer in aufrechter Position dem Wind entgegen laufen. Auch ein aerodynamischer Anzug würde da nichts bringen, da das Material selbst mehr Widerstand bringen würde als Nutzen. Deshalb muss man den Luftwiderstand beim Laufen mehr oder weniger akzeptieren. Beeinflussen könnte man es nur, wenn man die Oberfläche verringert – also das Gewicht selbst reduziert - was für manche Läufer vielleicht nicht nur in Bezug auf den Luftwiderstand einen Leistungsschub bringen könnte.

Welche Auswirkung hat der Gegenwind

Laufen gegen den Wind bedeutet ein Laufen gegen einen größeren Widerstand. Und je schneller man läuft, desto größer wird der Widerstand. Dieser steigt jedoch nicht linear mit der Geschwindigkeit an, sondern zum Quadrat. Wenn der Wind zum Beispiel von 10km/h auf 20km/h steigt, dann ist der Mehraufwand nicht doppelt so hoch, sondern gleich um das 4-Fache! Das ist gerade für Radfahrer der limitierende Faktor beim Zeitfahren.

Messen kann man den Mehraufwand über die Sauerstoffaufnahme. Denn wenn bei gleicher Geschwindigkeit mehr Sauerstoff benötigt wird, dann muss man sich eben mehr anstrengen als normal. Und das kann beim Laufen mehr als 10% zusätzlicher Energieverbrauch sein!

Leicht zu veranschaulichen ist es beim Laufen am Laufband: Läuft man zum Beispiel am Laufband mit 10km/h, so kann eine Steigung von 1% den Luftwiderstand kompensieren. Läuft man mit mehr als 15km/h, entspricht es bereits einer knappen 2%igen Steigung.

Welche Auswirkung hat der Rückenwind 

Wenn der Wind von hinten kommt, dann gibt unser Körper auch einen Widerstand, den wir jedoch fürs Laufen nützen können: der Wind schiebt uns ja an und wir laufen mit weniger Anstrengung! Leider ist der Nutzen bei Rückenwind aber nicht so hoch wie der Aufwand bei Gegenwind.

Nehmen wir an, es weht ein konstanter Wind mit 30km/h und wir nehmen an einem Rennen teil, dessen Strecke die eine Hälfte gegen den Wind und die andere mit dem Wind verläuft. Wenn wir dann zum Beispiel mit 10km/h laufen (6min/km), so laufen wir gegen den Wind mit einem Widerstand von 40km/h (Windgeschwindigkeit plus die Laufgeschwindigkeit) und retour nur mit 20km/h Rückenwind. Insgesamt wird uns der Gegenwind also mehr bremsen als der Rückenwind anschieben – es fühlt sich aber dennoch an wie fliegen!

Wenn der Wind jedoch nur 10km/h stark ist, dann laufen wir mit Rückenwind sozusagen bei Windstille. Und wenn überhaupt kein Wind weht, dann können wir (zumindest bei höheren Außentemperaturen) unsere Wärme schlechter abgeben. Bei mäßigem Wind besteht also die Gefahr, dass wir sowohl gegen den Wind als auch mit dem Wind eine Leistungseinbuße hinnehmen müssen!

Welche Auswirkung hat das Laufen im Windschatten 

Radfahrer machen es uns vor: Rad an Rad in tief liegender Sitzposition rasen sie dahin. Und immer wieder wird der Führende, der die meiste Arbeit gegen den Wind zu leisten hat, abgewechselt. Auch beim Laufen kann man den Luftwiderstand reduzieren, indem man den Windschatten des Vorderläufers ausnützt. Jeder kennt die Spitzenläufer bei Wettbewerben, die von einem „Hasen“ gezogen werden. Bis ins kleinste Detail ausgeklügelt war die Formation beim ersten Marathon unter 2 Stunden, bei dem gleich fünf Pacemaker Eliud Kipchoge in Keilform "zogen".

Der Luftwiderstand kann also theoretisch reduziert werden, in Wirklichkeit müsste der Abstand zum Vordermann dermaßen gering gehalten werden, damit überhaupt eine Wirkung erzielt wird. Sobald jedoch eine ganze Gruppe einen Windschatten macht, steigt diese Wirkung. Denn ein breiterer Kegel macht einen längeren Windschatten.

Für die Masse jedoch, die ein Wettkampftempo von über 4:00min/km laufen, ist dieser Effekt nur minimal! Außer natürlich, wenn zusätzlich Gegenwind herrscht. Dann ist ein Vorderläufer Gold wert.

Auch wenn das Laufen im Windschatten für die meisten nicht wirklich viel bringt, es kann eine psychische Stütze sein. Auch die „Hasen“ haben für Spitzenläufer eher die Aufgabe, das Tempo konstant vorzugeben, damit sich der hintere Läufer leichtert tut und sich bei psychischen Tiefs, die ja bekanntlich jeder Läufer früher oder später in einem Rennen bekommt, an jemanden anhängen kann, der ihn regelrecht zieht.

Solltest du bei einem Rennen jemanden finden, an dem du dich anhängen kannst, dann heißt es aber: Teamarbeit! Gerade bei Gegenwind solltest du dich an die „Verhaltensregeln für Läufer“ halten und auch deinen Teil der Führungsarbeit leisten. Und wenn du den Windschatten ausschließlich für dich nützt, dann sei so fair und lass deinem Zugpferd beim Zieleinlauf den Vortritt!
  
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Tipp der Woche
Wenn's einmal ein Marathon werden sollte, dann musst du diesen Leitfaden gelesen haben. Dann kommst du sicher und verletzungsfrei ins Ziel und verlierst auf dem Weg dorthin nie den Spaß am Laufen

2 Kommentare:

  1. Ich laufe eigentlich nur deshalb bei Wettkämpfen mit - damit ich mich bei jemanden anhängen kann! ;-)

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