Runtasia Infokanal: Läufer sind keine Triathleten - und umgekehrt!

Sonntag, 19. Juli 2015

Läufer sind keine Triathleten - und umgekehrt!

Jede Sportart hat ihre speziellen Regeln und Riten, damit sie sich von anderen Sportarten unterscheidet! Zum Beispiel erkennt man von Weitem schon einen Skater, einen Fußballer oder einen Fitnesssportler nur durch ihr Outfit. Doch nicht nur vom Aussehen her unterscheiden sich die Sportler, auch von ihren Ticks und Macken – Läufer und Triathleten tun das auch!

Laufen ist nur eine Disziplin beim Triathlon, also nur ein Teil der eigentlichen Sportart. Beim Triathlon gehört mehr dazu: Schwimmen und Radfahren sind erst das Aufwärmen! Im Läuferjargon kann man das in etwa so verstehen: der Halbmarathon ist der kleine Bruder vom Ganzmarathon. Und wenn du laufen willst, dann musst du Marathon laufen. Wie sich Läufer von Triathleten unterscheiden - mit ein paar Klischees ;-)

Bekleidung

Läufer: zu erkennen am bequemen Funktionsshirt und lockerer Laufhose.
Triathlet: Ganz leicht zu erkennen sind laufende Triathleten an ihren hautengen Dressen, meist geschmückt mit den Namen der Vereinssponsoren und diversen Logos von Nahrungsergänzungsherstellen. Nicht selten sieht man diese Läufer auch in ärmellosen Ganzkörperathletenanzügen. Und wenn es ein Zweiteiler ist, dann muss das Oberteil gerade so lange sein, dass ein Spalt zur Hose bleibt. Auch kennt der Triathlet nur Laufhosen mit eingenähtem, antibakteriellen Radeinsatz. Man kann ja nie wissen, ob man doch noch auf ein Rad steigen muss.

Wundermittel

Läufer: weiß, dass er trainieren muss, damit er besser wird. Und das tut er.
Triathlet: Weiß, dass er gleich drei Disziplinen trainieren muss. Und da reicht es nicht aus, 3x pro Woche zu trainieren…pro Disziplin natürlich! In der Früh die Schwimmeinheit, zu Mittag eine lockere Laufeinheit und am Abend mit dem Rad nach Hause fahren – mit einem kleinen 100km-Umweg, damit es sich auszahlt. Durch das viele Training leidet jedoch die Regenerationszeit. Und das ist wahrscheinlich auch der Grund, weshalb so viele Triathleten mit Energiebändern und Kompressionssocken anzutreffen sind bzw. auf sonstige „Wundermittel der Ernährung“ schwören. Die Hersteller sehen da natürlich einen großen Markt und verkaufen ihre Produkte mit einfachen Argumenten wie „verkürzt die Regenerationszeit“ – und schon bekommt der Triathlet gespitzte Ohren.

Materialschlacht 

Läufer: hat neben seinen Trainingsschuhen auch noch Wettkampfschuhe im Schrank.
Triathlet: hat neben seinen normalen Trainingsschuhen auch noch leichte und schwere Trainings-, Stabil-, Trail-, Wettkampf-, Barfußschuhe und noch ein Paar mit dem besonderen Boost! Zum Schwimmen braucht man nicht nur Neoprenanzüge in unterschiedlichen Arm- und Beinlängen, sondern auch noch unzähliges Kleinequipment fürs Training. Der Hauptfaktor des Triathleten ist aber die Rennmaschine. Da darf nicht gespart werden: jedes Gramm, das eingespart wird, bringt Sekunden auf der unendlich langen Radstrecke. Ein Rennrad über 7kg wird bereits als „Waffenrad“ bezeichnet. Einsparungen gibt es unzählige: 15 Gramm bei der Sattelstütze, 60 Gramm beim Lenker, 40 Gramm bei den Felgen,…und natürlich gibt’s alles aus Kohlefasern. In Triathlonkreisen spricht man sogar von „Carbonloading“. Dass die meisten Triathleten einige Kilos einsparen könnten, wenn sie ihr Gewicht etwas reduzieren würden, das ist dabei eine Nebensache!

Leistungsgedanke 

Läufer: er will in seiner Spezialdisziplin schneller werden.
Triathlet: er muss drei Disziplinen auf ein hohes Niveau bringen. Läufer wechseln oft zum Triathlon, wenn Sie 1) nicht mehr schneller werden können, da sie ihr Leistungsplateau im Laufen bereits erreicht haben, oder 2) nicht mehr schneller werden wollen, weil sie nicht bereit sind, mehr Qualität ins Training zu bringen bzw. diese Qualität auch umzusetzen. Triathlon hat viele neue Herausforderungen, die zu erlernen und zu bewältigen sind: Schwimm- und Radtechnik erlernen, Sitzposition optimieren, Wechselzone trainieren, Windschattenfahren bzw. aerodynamische Position finden,…da bleibt nicht viel Zeit fürs echte Lauftechniktraining.

Suchtfaktor 

Läufer: trainiert er zu viel, wird er sofort mit Verletzungen bestraft
Triathlet: kann durch die abwechslungsreichen Bewegungsarten unvorstellbare Trainingsumfänge absolvieren, ohne sich dabei zu verletzen. 20 oder sogar 30 Stunden pro Woche sind für manch Hobby-Ironman keine Seltenheit, und Radausfahrten können auch schon mal 10 Stunden dauern. Und das ist ein gutes, ein saugutes Gefühl! Da ist der Schritt zur Sucht nur noch ein kleiner.

Lauftechnik 

Läufer: exerziert das Lauf-ABC und versucht einen ökonomischen Laufstil zu erlernen
Triathlet: Laufen ist die dritte Disziplin beim Triathlon. Bis man zum Laufen kommt, sind die Beine bereits sehr müde. Deshalb läuft ein Triathlet auch mit einem relativ energieschonenden Laufstil – scheinbar! Er ist dadurch auch leicht an seinem Laufstil zu erkennen – und je länger seine Wettkampfdistanz ist, desto deutlicher: der Fersenhub existiert quasi nicht, die Füße schwingen relativ flach am Boden nach vorne,…Hauptsache, keine Energie verschwenden lautet die Devise. Der Läufer weiß aber, dass man mit diesem Laufstil kein Tempo machen kann.

Titelfoto: Siegfried Fries  / pixelio.de

Kommentare :

  1. So weit mir bekannt, ist Windschattenfahren bei Triathleten Verboten.

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    1. gilt generell nur bei Mittel- und Langdistanz. Bei der Sprintdistanz und sogar bei der olympischen Distanz ist Windschattenfahren zumindest nicht verboten! Wobei ganz einig scheinen sie nicht so recht zu sein ;-)
      https://de.wikipedia.org/wiki/Triathlon

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  2. Und nicht zu vergessen: kollektive Spaßbefreiung!
    Habe selten so wenig Gelassenheit bei einem Wettkampf gesehen, wie beim heurigen Ironman in Klagenfurt. Alle todernst, wie vor einer Hinrichtung. Machen die das denn alle ohne Freude? Wird man so oder muss man so sein? Vielleicht war das auch nur ein persönlicher Eindruck von mir. Bei einem Marathon ist es mir jedenfalls nocht nie in dem Ausmaß aufgefallen.
    Erst im Ziel kommt dann ein Lächeln auf, sofern sie nicht zusammengebrochen sind!

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    1. Das kann ich so nicht bestätigen, aber es wird schon was Wahres dran sein ;-)
      Es kann aber auch sein, dass die meisten einfach nur "Respekt vor dem Bewerb" haben. Wann man sich vorstellt, wass die beim Start noch vor sich haben!!! Da kommt mir ehrlich gesagt auch kein Lächeln auf!

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  3. Im Amateuerbereich ist Windschattenfahren verboten, bei den Profis bzw. bei Meisterschaften auf der Sprint und Olympischen Distanz erlaubt.
    Die Technik der Triathleten kann aber nicht gar so schlecht sein wenn man sieht welche Zeiten in reinen Laufbewerben von Triathleten erzielt werden (da kommen die meisten Läufer nicht mit). Gleiches gilt fürs Radfahren, da wird auch die mangelnde Technik kritisiert aber in Radevents werden dann Topzeiten von Triathleten abgeliefert (da kommen die meisten Radfahrer nicht mit).

    No Tria no fun!

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    1. Bei den Spitzensportlern zweifelt es ja niemand an - doch Triathlon ist nun einmal ein Massenphänomen im Hobbybereich geworden und da entwickeln sich spezielle Eigenheiten heraus. Fact ist jedenfalls: ein Triathlet (so gut er auch ist!) wird nie in einer Einzeldisziplin das meiste rausholen können. Das muss er auch nicht, weil seine Sportart anderes verlangt. Dadurch entsteht bei einem Läufer eine andere Sichtweise - und die ist natürlich nicht so ernst zu nehmen, wie es so manche tun..von wegen fun!

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  4. Also das Massenphänomen würde ich eher beim Laufen sehen. Da gibt es sehr viele "nur" WK Läufer, die dann mit einem Schnitt von 6:30 über die Strecke fliegen. TRI ist bei weitem kein Massensport. Einen Marathon kann man mit ein bißchen Training noch in 4:30 - 5:00 finishen. Eine Langdistanz ohne Training (und das macht mächtig Spaß) ist glaube icht nicht möglich. Und am Start sind alle nicht ernst sondern fokusiert, auf die große Herausforderung, die auf einem wartet und die mit einem reinen Laufbewerb (bis Marathon) nicht vergleichbar ist. (übrigens Lauf ABC steht immer wieder am Plan und mit 20 Stunden in der Woche(Max) ist "Mann" gut aufgestehlt!! Noch eine Frage: Wieviel Hobbyläufer machen Krafttraining?

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    1. Hallo Wolfgang!

      Eh alles richtig was du schreibst! Es hat auch niemand die Leistung von Triathleten runtergemacht! RESPEKT! Auch Läufer haben ihre Schwächen! Einen ähnlichen Bericht hab ich übrigens auch über Läufer geschrieben!

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