Runtasia Infokanal: Die Statur der Läufer - wieso sie schlank sind

Sonntag, 28. Juni 2020

Die Statur der Läufer - wieso sie schlank sind

Sieht man den Körperbau von Spitzenläufern an, so bemerkt man gleich, dass es unter ihnen keinen Übergewichtigen gibt. Hmm. Ist schon irgendwie klar, dass Sportler durchtrainiert und muskulös sind. Heute möchte ich die Auswirkung von ein paar überschüssigen Kilos auf die Laufleistung erörtern.


Viele meinen, die ideale Läuferstatur ist: groß, schlank und mit langen Beinen. So ungefähr sehen auch die Spitzensportler aus – sehr schlank, doch nicht unbedingt sehr groß! Denn große Läufer haben einen physikalischen Nachteil: Größe braucht Material. Und dieses Material hat ein Gewicht, das transportiert werden muss.

Die schnellsten 4 MarathonläuferInnen und ihre Körpermaße 

Mit einer Ausnahme sind bei den Männern alle „nur“ knapp unter 1,70m groß und haben einen BMI von unter 20. Auch die Frauen sind eher klein geraten und laut BMI wären sie medizinisch gesehen „sehr untergewichtig“.

Eliud Kipchoge (2:01:39): 1,67m/52kg/BMI 18,6
Kenenisa Bekele (2:01:41): 1,65m/55kg/BMI 20,2
Birhanu Legese (2:02:48): 1,68m/55kg/BMI 19,5
Mosinet Geremew (2:02:55): 1,74m/55kg/BMI 18,2

Birgid Kosgei (2:14:04): 1,70m/50kg/BMI 17,3
Paula Radcliffe (2:15:25): 1,73m/54kg/BMI 18,0
Mary Keitany (2:17:01): 1,58m/42kg/BMI 16,8
Ruth Chepngetich (2:17:08): 1,65m/48kg/BMI 17,6

Diese SportlerInnen sind natürlich bestens auf die Herausforderung des Langstreckenlaufs vorbereitet und haben mit ihrem niedrigen Körpergewicht auch einen physikalischen Vorteil: sie müssen weniger Gewicht transportieren. Gerade so viel, dass sie nicht zu wenig Muskulatur haben, um diese Herausforderung zu meistern. Sollen sie noch weniger wiegen, dann wäre die Leistungsfähigkeit wieder beeinträchtigt.

Umgekehrt heißt es aber nicht, dass dünne Menschen gleichzeitig gute Läufer sind. Ein großer Mensch ist ja auch nicht gleich ein guter Basketballer. Das Körpergewicht ist lediglich ein wesentlicher Faktor. Es gehören aber noch viele andere Faktoren dazu wie Talent, Genetik, Training, Belastbarkeit, Ernährung, Motivation,....

Energieverbrauch pro Kilogramm Körpergewicht 

Eine Faustformel besagt, dass pro Kilogramm Körpergewicht und gelaufenen Kilometer eine Kilokalorie Energie verbraucht wird. Läuft also eine 100kg schwere Person 10km, dann wird sie etwa 1000kcal verbrauchen, wiegt sie nur 50kg, dann sind es nur 500kcal.

Und das beinahe unabhängig davon, wie schnell die 10km zurückgelegt wird. Wenn ein 50kg schwerer Mann 10km in 30 Minuten laufen kann, dann wird dafür etwa 500kcal benötigt. Wenn dieselbe Person 10km in einer Stunde läuft, dann verbraucht sie dabei auch nur 500kcal! Das heißt, dass der Energieverbrauch für eine zurückgelegte Distanz immer mehr oder weniger dieselbe ist. Wird jedoch der Energieverbrauch pro Stunde herangezogen, so hat in unserem Fall die schnellere Person doppelt so viele Kalorien verbraucht. Und das ist der eigentliche leistungsbestimmende Faktor im Ausdauersport: wie viel Energie kann ich in einer bestimmten Zeit umsetzen.

Der Anteil des Körperfetts ist ausschlaggebend! 

Wenn also jemand ein Optimum an (ausreichend) Muskulatur und (wenig) Gewicht erzielen möchte, dann gibt es eigentlich nur eine Möglichkeit, dieses Wettkampfgewicht zu erreichen: nämlich durch die Senkung des Körperfettanteils. Vom Fett haben wir ja bekanntlich ausreichend gespeichert und dieses Substrat ist auch bei extremen Ausdauersportarten nicht limitierend! Das Zuviel an Körperfett bedeutet für einen Läufer eigentlich „Ballast“, der beim Laufen Energie kostet, auch wenn es Energie ist.

Spielen wir diesen Gedanken noch etwas weiter. Angenommen, du kannst mit deinen oben erwähnten 100kg in einer Stunde maximal 10km zurücklegen. Dazu brauchst du dafür etwa 1000kcal. Wenn du nun gezielt abnimmst und zum Beispiel 10 Kilogramm Fettmasse verlierst, deine Leistungsfähigkeit aber beibehältst, dann wirst du mit deinen nun 90kg Körpergewicht für die 10km nur 900kcal verbrauchen. Du hättest aber die physiologischen Voraussetzungen, 1000kcal pro Stunde zu verbrennen. Das würde dann heißen, dass du bei gleicher Leistungsfähigkeit, aber mit etwas weniger Gewicht, statt 10km sogar mehr als 11km laufen könntest. Zu bedenken ist aber, dass es ein theoretisches Rechenmodell ist, das so nicht ganz stimmt, aber dennoch ist es eine gute Veranschaulichung, wie sehr das Körpergewicht deine Laufzeiten beeinflussen kann. Überlege dir mal, wie viel Prozent du noch Potenzial hast...

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Tipp der Woche:

In meinem neuen Buch erfährst du, wie Läufer ticken, welche Laster sie haben und wie man mit ihnen umgehen musst. Du wirst dich in vielerlei Hinsicht wiedererkennen...sofern du ein "echter Läufer" bist.
Kurze Laufgeschichten - Interessantes und Amüsantes übers Laufen

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