Runtasia Infokanal: Läufer-ABC: C wie Carnitin

Sonntag, 18. Dezember 2011

Läufer-ABC: C wie Carnitin


Der Fatburner schlechthin! Jeder kennt das Wundermittel L-Carnitin – es verspricht bessere Ausdauerfähigkeit und Fettverbrennung, beschleunigt den Abbau überschüssiger Fettreserven und überhaupt braucht man es, wenn man Sport betreibt! Und wie schaut’s wirklich aus?

L-Carnitin ist ein kleines Molekül, das natürlich in jedem tierischen Organismus vorkommt. Im menschlichen Körper ist etwa 25 Gramm vor allem in der Muskulatur gespeichert. Lediglich 1/1000 dieses Speichers wird pro Tag über den Harn ausgeschieden.

Im Körper hat L-Carnitin eine wichtige Funktion im Fettstoffwechsel und ist deshalb essentiell für unser Leben. Es transportiert nämlich freie Fettsäuren in die Mitochondrien (Verbrennungsmotoren) hinein, wo sie dann verstoffwechselt werden. Ohne diesen Transporter wäre eine Fettverbrennung nicht möglich!

Und da haben wir auch schon den Aufhänger fürs Abnehmen bzw. der Leistungssteigerung im Sport: wenn das Substrat für die Fettverbrennung so wichtig ist, dann bedeutet doch ein Mehr dieses Transporters auch gleichzeitig ein Mehr an Fettverbrennung bzw. wenn ich mehr Fettsäuren in die Mitochondrien bekomme, dann werden auch mehr verbrannt. So die Theorie, die für die Hersteller herangezogen wird, um Ihre Produkte besser an den Mann oder die Frau zu bringen.

So einfach ist diese Rechnung jedoch nicht! Man muss nämlich wissen, dass
  • dieses “Fett-Taxi” nicht verbraucht wird, sondern immer wieder für den Transport neuer Fettsäuren zur Verfügung steht,
  • der Körper L-Carnitin selbst herstellen kann (ca. 15mg pro Tag)
  • auch über die normale Nahrung ausreichend zugeführt wird,
  • eine Erhöhung des Carnitin-Gehalts in der Zelle nicht möglich ist (Ausnahme bei bereits vorhandenen Unterversorgung!),
  • lediglich eine minimale Menge ersetzt werden muss,
  • L-Carnitin nicht der leistungslimitierende Faktor in der Fettverbrennung ist, sondern die Enzymbesetzung der Zellen.
Die Problematik dieser Theorie in einem Beispiel: 
Das Taxi (L-Carnitin) transportiert die Gäste (Fettsäuren) vom Flughafen (Speicher) ins Hotel (Mitochondrien). Es können also nur so viele Gäste ins Hotel transportiert werden, wie Betten verfügbar sind. Auch wenn tausende Taxis ihre Gäste ins Hotel bringen wollten, es kann nicht mehr aufgenomen werden als Platz zur Verfügung steht. Und so ist es auch in unserem Körper.

Eine Unterversorgung kann dennoch vorkommen, ist in unseren Kreisen aber sehr selten. Besonders Veganer können davon betroffen sein, da L-Carnitin vor allem in tierischen Lebensmitteln in höheren Konzentrationen vorkommt. Und wenn eine zusätzliche Gabe von L-Carnitin sinnvoll ist, dann in diesen Fällen. Sobald man nur ab und zu einmal ein Fleisch isst oder regelmäßig Milchprodukte zu sich nimmt, ist man mit Sicherheit ausreichend mit L-Carnitin versorgt.

Eine Unterversorgung passiert auch nicht innerhalb von wenigen Tagen, sondern auf Grund des hohen Speichers und der stetigen Eigenproduktion im Laufe von Jahren!
In meiner letzten wissenschaftlichen Arbeit analysiert ich insgesamt 55 Studien, die sich mit dem Thema L-Carnitin und Leistungsverbesserung auseinandersetzen. Die Beweislage war dürftig – eine Zusammenfassung:
  • kein Beweis für einen vermehrten Transport von Fettsäuren in die Zellen
  • kein Beweis für einen Anstieg von L-Carnitin in den Zellen
  • Nachweis eines Anstiegs im Blut, nicht jedoch in der Muskulatur, dem eigentlichen Wirkungsort
  • kein Beweis für eine erhöhte Fettverbrennung
  • kein Beweis für eine Schonung der Kohlenhydratreserven
Deshalb ist die Zufuhr von L-Carnitin zur Leistungssteigerung oder Gewichtsreduktion nicht zu empfehlen und ist sogar sinnlos! Es kann zwar direkt nichts passieren, wenn man einmal mehr davon zu sich nimmt (das wissen natürlich die Hersteller!), da der Überschuss ganz normal über die Nieren ausgeschieden wird. Langfristig gibt es aber einen “Gewöhnungseffekt” und der Körper reduziert die eigene Synthese und man könnte so indirekt in eine Unterversorgung gelangen.

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